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So vermeiden Sie Risiken beim Unternehmensverkauf: Tipps aus der Praxis

10. September 2026
So vermeiden Sie Risiken beim Unternehmensverkauf: Tipps aus der Praxis

Wer ein Unternehmen verkaufen möchte, denkt zunächst an Bewertung, Käufersuche und Kaufpreisverhandlung. Das ist verständlich – schließlich steht die Zahl unter dem Strich im Vordergrund. Was dabei häufig zu kurz kommt: die Frage, wie gut das Unternehmen überhaupt auf einen Verkauf vorbereitet ist. Und genau hier entscheidet sich in der Praxis oft, ob eine Transaktion erfolgreich abgeschlossen wird – und zu welchem Preis.

Das Stichwort lautet Exit Readiness: die systematische Vorbereitung eines Unternehmens auf einen Verkaufsprozess. Wer dieses Thema ernst nimmt, hat zwei entscheidende Vorteile: Er kennt die eigenen Risiken, bevor es ein Käufer tut, und er hat die Möglichkeit, sie im Vorfeld zu beseitigen oder zumindest zu minimieren.

Warum Exit Readiness so entscheidend ist – und warum jetzt

Die Nachfolgesituation im deutschen Mittelstand ist akuter als je zuvor. Laut dem KfW-Nachfolge-Monitoring 2025 streben bis Ende 2029 rund 545.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolgeregelung an – das entspricht jährlich gut 109.000 Übergaben.¹ Erstmals übersteigt dabei die Zahl der geplanten Stilllegungen die der angestrebten Nachfolgen: Jährlich rund 114.000 Unternehmen ziehen eine Geschäftsaufgabe in Betracht, ohne jede Nachfolgelösung.² Der demografische Druck dahinter ist unübersehbar: 57 Prozent der mittelständischen Unternehmerschaft sind heute 55 Jahre oder älter – vor 20 Jahren waren es lediglich 20 Prozent.³ Wer sein Unternehmen in diesem Umfeld gut vorbereitet in den Markt bringt, hat gegenüber dem wachsenden Feld unvorbereiteter Verkäufer einen klaren Vorteil und erzielt einen besseren Preis.

Ein professioneller Käufer – egal ob strategischer Investor oder Finanzinvestor – wird das Unternehmen im Rahmen der Due Diligence auf Herz und Nieren prüfen. Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und branchenspezifische Experten durchleuchten dabei jeden Winkel: Verträge, Finanzzahlen, Abhängigkeiten, Risiken, Strukturen. Was dabei zutage kommt, kann zu Kaufpreisabschlägen, Garantieforderungen oder im schlimmsten Fall zum Abbruch des Prozesses führen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Risiken vorhanden sind – die gibt es in jedem Unternehmen. Die entscheidende Frage ist, ob diese Risiken bekannt sind und ob sie dem Käufer erklärt werden können, bevor er sie selbst findet.

Inhaberabhängigkeit: einer der häufigsten Deal-Killer

In mittelständischen Unternehmen ist die Abhängigkeit vom Inhaber-Geschäftsführer einer der am weitesten verbreiteten Risikofaktoren und einer der schwierigsten, weil er so nah am Kern des Unternehmens liegt. Wenn der Unternehmer das zentrale Kundennetzwerk hält, alle wesentlichen Entscheidungen trifft und die Mitarbeiter primär auf ihn ausgerichtet sind, stellt sich für jeden Käufer die berechtigte Frage: Was wird hier eigentlich gekauft – ein Unternehmen oder eine Person?

Der DIHK empfiehlt, spätestens drei Jahre vor der gewünschten Übergabe mit konkreten Planungen zu beginnen⁴. Genau dieser Vorlauf sollte auch genutzt werden, um die Inhaberabhängigkeit strukturiert abzubauen. Das bedeutet konkret: Führungsverantwortung delegieren, eine zweite Führungsebene aufbauen, Kundenkontakte systematisch auf weitere Ansprechpartner im Unternehmen übertragen und Prozesse so dokumentieren, dass sie nicht im Kopf des Unternehmers stecken, sondern im System. Ein Unternehmen, das ohne den Inhaber funktioniert, ist schlicht mehr wert als eines, das es nicht tut.

Kunden- und Lieferantenabhängigkeiten: unterschätzte Risiken

Ähnlich verhält es sich mit Abhängigkeiten im Kunden- und Lieferantenportfolio. Ein Ankerkundenanteil von 40, 50 oder gar 60 Prozent ist für viele Mittelständler jahrelang kein Problem: Der Kunde ist verlässlich, die Beziehung gut, das Geschäft stabil. Aus Käuferperspektive ist es jedoch ein erhebliches Klumpenrisiko: Was passiert, wenn dieser Kunde abwandert? Was passiert, wenn er nach dem Vollzug der Transaktion die Konditionen neu verhandeln möchte?

An dieser Stelle begegnet einem in der Beratungspraxis ein Muster, das sich mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit wiederholt: Unternehmer neigen dazu, ausgeprägte Kundenabhängigkeiten als „gegenseitige Abhängigkeiten“ zu framen. Die Logik dahinter klingt zunächst plausibel – der Großkunde braucht das Unternehmen genauso wie umgekehrt, die Beziehung ist über Jahre gewachsen, ein Wechsel wäre für beide Seiten schmerzhaft. Was dabei übersehen wird: Aus Käuferperspektive zählt nicht die gewachsene Beziehung, sondern die vertragliche und strukturelle Realität. Und die sieht in den meisten Fällen so aus, dass der Großkunde jederzeit wechseln könnte, während das Unternehmen ohne ihn in ernsthafte Schwierigkeiten geriete. Diese Asymmetrie ist das eigentliche Risiko und erfahrene Käufer erkennen sie zuverlässig.

Das Gleiche gilt auf der Lieferantenseite. Wer von einem einzigen Lieferanten für ein kritisches Vorprodukt abhängt, setzt sich Preissetzungsmacht und Lieferrisiken aus, die im Rahmen einer Due Diligence regelmäßig negativ bewertet werden.

Die Empfehlung: frühzeitig diversifizieren. Das ist leichter gesagt als getan und in manchen Branchen strukturell kaum zu vermeiden, aber bereits eine bewusste Reduzierung von Konzentrationsrisiken und eine entsprechende Dokumentation der Diversifizierungsstrategie macht in Käufergesprächen einen erheblichen Unterschied.

Technologieabhängigkeiten und Schlüsselmitarbeiter

Wer als Unternehmen auf einer einzelnen, proprietären Softwarelösung aufgebaut ist, die nur von einem einzigen Mitarbeiter administriert werden kann, oder auf einer veralteten Technologieplattform, deren Weiterentwicklung unklar ist, erzeugt damit Fragezeichen in der Due Diligence. Käufer denken langfristig und Technologierisiken werden zunehmend hart bewertet.

Gleiches gilt für Schlüsselmitarbeiter jenseits des Inhabers: Wenn ein einziger Entwickler, Konstrukteur oder Vertriebsprofi unverzichtbar ist und keine Stellvertretung existiert, ist das ein Risiko, das adressiert werden muss – im besten Fall durch Bindungsmaßnahmen, im schlechtesten Fall durch eine klare Kommunikation an den Käufer, wie das Risiko gemanagt wird.

Prüfen Sie, wie gut Sie auf einen Unternehmensverkauf vorbereitet sind.

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Altlasten lösen, bevor sie der Käufer findet

In vielen Unternehmen gibt es Themen, die jahrelang mitgeschleppt werden – nicht weil niemand sie lösen will, sondern weil der Alltag des Unternehmens keinen Anlass gibt, sie zu priorisieren. Im Rahmen eines Verkaufsprozesses werden sie sichtbar. Und wer sie dann auf dem Tisch hat, ohne eine Antwort parat zu haben, steht unter erheblichem Druck.

Typische Beispiele aus der Praxis: ungeklärte arbeitsrechtliche Themen, langjährige Rechtsstreitigkeiten, nicht aktivierte Altverbindlichkeiten, unklare Eigentumsverhältnisse bei Betriebsmitteln oder Grundstücken, offene Steuerfragen. Die Empfehlung: im Vorfeld eines Verkaufsprozesses eine strukturierte Vendor Due Diligence oder zumindest eine interne Bestandsaufnahme beauftragen. Was dabei herauskommt, überrascht selbst erfahrene Unternehmer regelmäßig.

Die Due Diligence: Risiken kennen, Prozess steuern

Sind die operativen Risiken adressiert, rückt die eigentliche Prüfungsphase in den Fokus – und damit ein Bereich, der für viele Verkäufer unterschätzte Fallstricke bereithält. Denn die Due Diligence ist nicht nur eine Prüfung des Unternehmens durch den Käufer, sondern sie ist gleichzeitig ein erhebliches Risikofenster für den Verkäufer selbst.

Das beginnt bei der Dokumentation. Laut einer Studie von PwC zu M&A-Trends nannten 42 Prozent der befragten Käufer unvollständige oder fehlerhafte Dokumentationen als Hauptgrund für Preisnachlässe.⁵ Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Käufer werten die Qualität der bereitgestellten Informationen als direkten Indikator für die Qualität des Geschäftsbetriebs. Wer hier lückenhaft aufgestellt ist, verliert nicht nur Verhandlungsspielraum – er untergräbt das Vertrauen des Käufers in einem Moment, in dem dieses Vertrauen besonders zählt.

Ein zweites, häufig unterschätztes Risiko ist die Vertraulichkeit. Im Verlauf einer Due Diligence erhalten potenzielle Käufer teils tiefe Einblicke in strategische, finanzielle und operative Interna: Kundenbeziehungen, Preiskalkulationen, laufende Entwicklungsprojekte. Besonders heikel wird das bei strategischen Käufern, die gleichzeitig Wettbewerber sind oder bei Interessenten, bei denen die Transaktion letztlich nicht zustande kommt. In diesen Fällen verbleiben die übermittelten Informationen beim Käufer und die Kontrolle darüber ist verloren. Eine gestufte Offenlegungsstrategie – bei der besonders sensible Inhalte erst in fortgeschrittenen Prozessphasen oder unter Exklusivitätsbedingungen freigegeben werden – ist hier das Mittel der Wahl.

Schließlich das Thema Garantien und Haftung. Schätzungen zufolge kommt es in 15 bis 25 Prozent aller Transaktionen zu Garantieverletzungen, aus denen sich Haftungsansprüche des Käufers gegen den Verkäufer ergeben.⁶ Das ist eine Zahl, die viele Unternehmer überrascht und die deutlich macht, dass eine lückenlose, strukturierte Offenlegung aller relevanten Sachverhalte kein bürokratischer Aufwand ist, sondern aktiver Selbstschutz. Was dem Käufer im Rahmen der Due Diligence nachweislich bekannt gemacht wurde, kann später nicht mehr als Grundlage für Garantieansprüche herangezogen werden. Transparenz ist in diesem Kontext also keine Schwäche, sondern eine Absicherung.

Bilanzen bereinigen: Immobilien und Pensionsverpflichtungen

Zwei Themen, die in der Praxis besonders häufig zu Diskussionen führen, sind Immobilien und Pensionsverpflichtungen – und beide lassen sich im Vorfeld eines Verkaufs sehr effektiv adressieren.

Immobilien im Betriebsvermögen sind für viele Käufer – insbesondere Finanzinvestoren – ein Hemmschuh. Sie binden Kapital, verzerren die operative Profitabilität und machen die Transaktion strukturell komplexer. Die klassische Lösung: die Immobilie vor dem Verkauf in eine separate Gesellschaft auslagern, an das operative Unternehmen vermieten und damit eine saubere Trennung zwischen Betrieb und Immobilienvermögen schaffen. Der Unternehmer behält die Immobilie (oft als attraktive Altersvorsorge) und das operative Unternehmen wird transaktionsfähig.

Pensionsverpflichtungen sind bilanziell häufig erheblich und in der Bewertung problematisch, weil sie den Unternehmenswert direkt reduzieren. Auch hier gibt es Gestaltungsoptionen, die im Vorfeld eines Verkaufs geprüft werden sollten – von der Auslagerung auf externe Pensionskassen bis zur gezielten Dotierung von Rückstellungen. Diese Themen sind steuerlich und rechtlich anspruchsvoll, aber lösbar, vorausgesetzt, man adressiert sie frühzeitig und nicht unter dem Zeitdruck eines laufenden Prozesses.

Fazit: Wer vorbereitet ist, verkauft besser

Exit Readiness ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, ein makelloses Unternehmen zu präsentieren, das keine Herausforderungen kennt – das würde kein erfahrener Käufer glauben. Es geht darum, die eigenen Risiken zu kennen, ehrlich damit umzugehen und dem Käufer zu zeigen: Hier ist ein Unternehmer, der sein Unternehmen kennt und weiß, was er verkauft.

Das zahlt sich aus: in einem höheren Kaufpreis, einer reibungsloseren Due Diligence und einer höheren Transaktionssicherheit. Laut KfW-Nachfolge-Monitoring 2025 haben von den Unternehmen mit kurzfristigem Nachfolgewunsch bis Ende 2026 erst gut die Hälfte realistische Aussichten, ihre Nachfolge tatsächlich wie geplant umzusetzen.⁷ Wer unvorbereitet in einen Verkaufsprozess geht, überlässt die Kontrolle dem Käufer. Und das ist selten eine gute Verhandlungsposition.

 

Quellenverzeichnis

¹ KfW Research (2026): Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025. Fokus Volkswirtschaft Nr. 526, Januar 2026. Abrufbar unter: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2026/Fokus-Nr.-526-Januar-2026-Nachfolge-Monitoring.pdf

² Ebd.

³ Ebd.

⁴ KfW Research (2024): Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2023. Fokus Volkswirtschaft Nr. 450, Februar 2024. Abrufbar unter: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2024/Fokus-Nr.-450-Februar-2024-Nachfolge.pdf

⁵ PwC (2023): M&A-Trends – Studie zu Transaktionsrisiken, zitiert nach: Blogartikel „Risiken in der Due Diligence: Wie Verkäufer sich schützen können“ (2025).

⁶ Ebd.

⁷ KfW Research (2026): Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025. Fokus Volkswirtschaft Nr. 526, Januar 2026. Abrufbar unter: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2026/Fokus-Nr.-526-Januar-2026-Nachfolge-Monitoring.pdf

Über die Autoren

David Weidmann begleitet inhabergeführte Unternehmen und Familienbetriebe bei der Unternehmensnachfolge – vom ersten Gedanken bis zum Abschluss. Seine Mandanten sind meist Unternehmer, die ihr Geschäft in- und auswendig kennen, aber noch nie einen Verkaufsprozess erlebt haben. Er holt sie dort ab, wo sie stehen, erklärt, was nötig ist und führt sie sicher durch einen Prozess, der für die meisten einmalig ist. Er bringt dabei Erfahrung aus einer Vielzahl von Branchen mit – sowohl im Dienstleistungsbereich als auch im produzierenden Gewerbe – und ist seit 2021 Partner bei Nachfolgekontor.

Viktoria Derdiyok ist Senior Associate bei Nachfolgekontor und verfügt unter anderem über besondere Branchenexpertise in den Bereichen Dienstleistungen und produzierendes Gewerbe.